Schellenberger Chronik
Geschichtliches

1323
Bei einer Schenkung sind die Grefen Renczo und Henning von "Shellenberg" als Zeugen genannt: Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

1327
Vor dem Hermannstädter Kapitel wird ein Streit zwischen dem Pfarrer Gottfried von Schellenberg und dem Pfarrer Johann von Heltau entschieden. Es handelt sich um den Zehntbetrag von Gebieten innerhalb des Hatterts von Heltau. Der Streit soll durch einen Schwur von 20 Heltauern vor dem Altar der Hermannstädter Stadtpfarrkirche beigelegt werden. Als der Pfarrer von Schellenberg bemerkt, dass die Heltauer sich dem Altar nähern und zum Schwur bereit sind, lässt er es nicht dazu kommen.
Durch die Urkunde ist die Zugehörigkeit der Gemeinde zum Hermannstädter Kapitel im Jahre 1327 erwiesen.

1339
Vor dem Gericht des Hermannstädter Stuhles wird ein Hattertstreit entschieden zwischen dem Grefen Nicolaus von "Tholmacz" und den Schellenbergern. Die Schellenberger erklären, dass das strittige Gebiet seit der Gründung ihres Dorfes ihnen gehört habe. Graf Nicolaus von Talmesch gibt zu, dass er das Gebiet gewaltsam an sich gerissen habe. Es erfolgt eine Hattertbegehung. Ein Waldgebiet und ein Gebiet mit Gesträuch sollen gemeinsam benutzt werden. Auf der Seite diesseits des Zood dürfen hinfort die Talmescher keine Grundstücke benutzen. Wenn die Schellenberger in dem Wald "jenseits des Alt" zu tun haben, so dürfen sie ungehindert ein den Talmeschern gehörendes Hattertstück überqueren. Schellenberg ist durch diese Urkunde als Dorf des Hermannstädter Stuhles erwiesen.

1342
Streit zwischen Heltau und Schellenberg wegen einem Brombeerwall, den sich die Heltauer mit Gewalt angeeignet haben. Die Heltauer werden durch den Gref Michael "Thrucz" vertreten. Vor der Versammlung des Hermannstädter Stuhles kommt es zu einem Ausgleich, dem gemäß die Heltauer den Schellenbergern den Brombeerwall überlassen.

1349
In einem Zehntstreit zwischen dem Pfarrer Stephan von Heltau und dem Pfarrer Goblinus aus Schellenberg - dem späteren Weißenburger Bischof -, wird vor dem Hermannstädter Kapitel zugunsten Stepahns entschieden. Das Gebiet, wegen dessen Zehnten gestritten wurde, lag zwischen dem Schewis und dem "Steynrech". Stephan betont in der Gerichtsversammlung, dass dieses Gebiet seit langer Zeit schon von Heltauern bearbeitet wurde und darum der Zehnte auch ihm gebühre. Im Gegensatz zum sonst wirksamen Zehntrecht schließt sich das Kapitel dieser Beweisführung an und spricht dem Heltauer Pfarrer den Zehnten vom genannten Gebiet zu.

1364
Das Urteil des Hermannstädter Kapitels von 1327 wird vom selben Kapitel wiederholt, nachdem wieder wegen dem Zehnteinkommen eines Hattertgebietes zwischen Schellenberg und Heltau zwischen den beiden Pfarrern ein Streit ausgebrochen war. Der strittige Zehnte wird dem Heltauer Pfarrer und der Heltauer Kirche zugesprochen.

1412
Die Schellenberger protestieren vor dem Weißenburger Kapitel, dass ein Gebiet, welches seit altersher zu Schellenberg gehört und zwischen Schellenberg und der "Opidum Tolmata" gelegen ist, durch den Grefen von Talmesch, ihnen weggenommen worden ist, wegen dem 1339 bereits ein Urteil zugunsten der Schellenberger gefällt worden war.

1529
Durch muntenische Truppen wird der Ort verbrannt.

1552
Wegen einem vom Zibin abgeschwemmtem Landstrich kommt es zu einem Streit zwischen Schellenberg und Baumgarten, auf dessen Seite der Grundkomplex angeschwemmt worden ist. Der Hermannstädter Rat spricht das Grundstück den Schellenbergern zu.

1577
Auf Wunsch von Hermannstadt versetzt Fürst Christoph Bathori den Warenumschlagplatz für fremde Kaufleute (Griechen, Türken, Rumänen) von Talmesch nach Schellenberg.

1599
Es findet zwischen dem Siebenbürger Fürsten Andreas Bathori und dem Woiwoden der Muntenia, Michael dem Tapferen, die Schlacht von Schellenberg statt, in der Bathori besiegt wird. Die Gefallenen werden unter dem heutigen "Türkenhügel" in einem Massengrab beerdigt.

1659 Fürst Georg Racotzi II errichtet in Schellenberg sein Hauptquartier, um von hier aus die Belagerung von Hermannstadt zu leiten, wo der Fürst Achatius Bartschai mit türkischen Truppen eingeschlossen ist.

1660
Fürst Georg Racotzi II hebt die Belagerung von Hermannstadt auf, verläßt mit seinen Truppen sein Hauptquartier in Schellenberg und lässt den Ort niederbrennen.

1695
Im Laufe der Bürgerkriege in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hat die Gemeinde so viel gelitten, dass 1695 in einem Register 21 verbrannte Höfe und 8 wüste Höfe erwähnt werden.

1705
Die Kurutzen machen im Ort großen Schaden.

1705
Die Kurutzen verbrennen den Ort.

1707
Abermals verbrennen die Kurutzen das Dorf. Zwei Tage später werden durch einen zusammenstürzenden Giebel eines verbrannten Hauses eine Frau und zwei Kinder getötet.

1717
Unter dem Schutz kaiserlicher Soldaten beginnen die Schellenberger ihre Felder abzuernten.

1721
Es wird erwähnt, dass die Häuser aus Stein gebaut sind und mit Schindeln und Ziegeln gedeckt sind. Der Gemeindehattert dehnt sich bis zu den Häusern der Ortschaften Baumgarten und Westen aus.

1765
Das Dorf brennt vollständig nieder. Den Bewohnern wird für 2 Jahre Steuernachlass gewährt. In einem Gesuch, das bis zur Hofkammer nach Wien gelangt, sucht die Gemeinde um ein drittes Jahr Steuernachlass an. Da die Häuser alle von guter Bauart waren, wird mit kaiserlicher Bewilligung der Steuernachlass gewährt, um die Bewohner zum Bau guter Häuser anzueifern.

1936 - 39
Bau eines Gemeindesaales, nach den Plänen des Baumeisters Emil Antoni.

Grefen
Im Laufe des 14. Jahrhunderts sind Grefen erwähnt, die jedoch in den Urkunden des 15. Jahrhunderts schon nicht mehr zu finden sind.

1323
sind das erste Mal die Grefen "Tenczo" und Henning als Zeugen erwähnt.

1349
ist als Zeuge bei einem Hattertstreit ein Gref Stefan von Schellenberg erwähnt. Sein Vater ist der "Geubel von Schellenberg". Dieser Stefan ist das letzte Mal 1382 als Vertreter der Sieben Stühle genannt.

1372
wiederum ist ein Graf Nikolaus als Vertreter der 7 Stühle erwähnt.

1375
läßt sich nachweisen, dass ein Gref Peter, Sohn des Simon von Schellenberg, Besitzteile von Konradsdorf (Geinar) inne hat.


Kirche
13. Jahrhundert
Bau der Kirche als dreischiffige, romanische Basilika, von der sich die Grundmauern des Chores mit der Rundapsis, die beiden Seitenschiffe mit den Seitenapsiden und 4 Pfeilerpaare zwischen Hauptschiff und Seitenschiffen erhalten haben.

1423
Auf Betreiben des Pfarrers Thomas verleihen 3 Kardinäle der Schellenberger Marienkirche einen Ablass. Es wird bestimmt, dass wer in dieser Kirche betet und für die Herstellung derselben etwas spendet, des Ablasses teilhaftig werden soll. Wir entnehmen also dieser Urkunde, dass an der Kirche weitergebaut wird und diese der heiligen Maria geweiht war. Möglicherweise ist in diesem Jahrhundert die Kirche gotisch umgebaut worden, wobei die Fenster vergrößert und die Hauptschiffsmauern erhöht wurden.

1864
Renovierung der Kirche

Altar
Wie aus einer hinter dem Hauptbild befindlichen Inschrift hervorgeht, stammt der Barockaltar aus dem Jahre 1742. Das Hauptbild zeigt den Gekreuzigten. Es ist von Holzsäulen und Figuren im Barockstil umgeben.

Epitaph
Im Chor befindet sich eine Gedenktafel aus 1791 zur Erinnerung an Pfarrer Jakob Gotthart Kleinrath.

Orgel
Die aus 1911 stammende Orgel hat 2 Manuale und 20 Register.

Taufbecken
Das aus dem Mittelalter stammende Steintaufbecken ist im Jahre 1790 erneuert worden.

Glockenturm
Am 5. März 1804 begann man mit der Abtragung eines alten Glockenturms, von dem sich kein Bild erhalten hat.
Am 24. Mai 1804 wurde mit dem Bau des heutigen Glockenturms begonnen. Es wurde ein verhälnissmäßig hohes, spitzes Turmdach aufgesetzt. 1807 wurde der Turmbau beendet.

Kirchenburg
Das Vorhandensein einer Befestigung um die Kirche herum ist durch Nachrichten aus 1507 erwiesen. In diesem Jahr erhält Schellenberg dreimal aus der Kassa der Hermannstädter Provinz "Sieben Stühle" Unterstützungen zum Ausbau der Kirchenburg, Ein Ziegelbrenner erhielt Geldsummen für die Herstellung von Mauerziegeln und Dachziegeln. Dann wieder für die Herstellung von 2 Ziegelöfen.
Mit Ausnahme der Westseite war die Kirche durchwegs von einer doppelten Ringmauer umgeben. Die äußere Mauer ist noch im Osten erhalten. Im Norden ist sie abgetragen und im Nordosten mit dem Pfarrhaus verbaut. Im Süden steht die alte Predigerwohnung auf der Mauer. Wegen der daneben befindlichen neuen Schule wurde die weitere äußere Ringmauer im Süden abgetragen. Im Südosten befand sich wahrscheinlich der Torturm.

Die innere Mauer ist nur teilweise im Südosten abgetragen worden. Im Süden befindet sich die "Port" als Hauptkircheingang. Die übrigen Teile der inneren Ringmauer haben sich erhalten.

Kapelle
Außerhalb der Kirchenburg gab es eine dem Apostel Bartholomäus geweihte Kapelle. 1423 ist diese Kapelle erwähnt in zusammenhang mit der Verleihung eies Ablasses, die sowohl für die Kapelle als auch für die Pfarrkirche gilt.

Ortsname
In den Urkunden ist ausschließlich der deutsche Name verwendet. Eine Latinisierung des Namens ist gar nicht vorgekommen. 1323 ist er schon in der heutigen Form urkundlich nachweisbar. Er ist von dem germanischen Namen Schillo abgeleitet.

Persönlichkeiten
"Johannes de Schellenbergk" ist Kanzler des böhmischen Reiches und vertritt 1494 die Sachsen in Angelegenheit der Kerzer Abtei.

Pfarrer
Der berühmte spätere Weißenburger Bischof Goblinus ist Pfarrer von Schellenberg. Er verliert 1349 einen Zehntstreit gegen den Pfarrer von Heltau.

Ein Valentin ist in den Jahren 1452 und 1454 als Pfarrer von Schellenberg und Dechant des Hermannstädter Kapitels erwähnt. Er scheint eine besonders tatkräftige Persönlichkeit gewesen zu sein.

Es gelingt ihm vom Erzbischof von Gran für sich und seine Nachfolger im Dekanat das Recht zu erwirken bei Streitigkeiten innerhalb des Kapitels, die vor das geistliche Gericht gehören, als erstinstanzliches Forum zu amtieren, von dem aus nur ein Appell an den Erzbischof von Gran zulässig sein sollte.

Unter seinem Vorsitz wird auch ein Abkommen in einem Zehntstreit zwischen Stolzenburg und Salzburg erzielt.

1517 ist Petrus Thonhäuser Pfarrer dieser Gemeinde, der später als Deckant des Hermannstädter Kapitels und Anhänger des römisch-katholischen Glaubens eine besondere Rolle spielte. Er hatte 8 Jahre in Wien studiert.

Thomas Wal ist 1527 als Pfarrer von Schellenberg erwähnt. Er hatte in Wien die Magisterwürde erlangt, war Rektor in Hermannstadt, hielt später an der Universität in Wien Vorlesungen über Horaz und Ovid und wurde 1521 Prokurator der ungarischen Nation an der Wiener Universität. Er ist durch seine besondere Vorliebe für humanistische Studien hervorgetreten.

Rechtslage
Schellenberg gehörte zum Hermannstädter Kapitel und zum Hermannstädter Stuhl.

Aus 13227 datiert der erste Beleg der Kapitelszugehörigkeit und aus 1339 der erste Beleg der Stuhlszugehörigkeit.

Der Ort ist also allezeit eine freie Königsbodengemeinde gewesen.

Rumänen
1712 sind noch keine Rumänen erwähnt, während sonst in den meisten Orten bei Hermannstadt schon rumänische Siedler genannt werden.
1720 sind 10 rumänische Siedler erwähnt.

Sagen
Das Mädchen von Schellenberg
Schellenberg ist ein Dorf bei Hermannstdt und es zeichnet sich vor vielen Städten des Landes dadurch aus, dass ein Blitzableiter an seine Kirche angebracht ist. Vor vielen Jahren hat sich hier eine ergötzliche Begebenheit zugetragen. Ein junger Bursche, der seine Mutter verloren hatte, lebte mit seinem bereits betagten Vater zusammen in einem Hause. Der Vater wünschte vor seinem Tode den Sohn gerne versorgt zu sehen, wusste, dass ein christliches Haus nicht in Ordnung bestehen könne, ohne eine christliche Hausfrau und drang daher in den Sohn, sich zu verehelichen. Der hatte bereits sein auge geworfen auf eine schmucke Jungfrau am anderen Ende des Dorfes, dieselbige war von Herzen gut und die Sache schien ihre Richtigkeit zu haben. Aber Mädchen wollen gebeten sein und sich nicht beim ersten Anlauf erobert wissen. Als daher unser Bursche um die Hand unserer Schellenbergerin förmlich bei Vater und Mutter angehalten hatte und das Mädchen mit der Mutter allein war, machte es allerhand Einwendungen und versicherte, dass es den Burschen noch gar nicht so gut kenne und so sehr liebe, um ihm gleich ohne weiteres seien Zusage zu geben. Vergebens gab ihr die Mutter, die den Werber gerne zum Schwiegersohn haben mochte, zu bedenken, dass der Busche tüchtig sei und ein Erbe habe und dass es noch andere unverheiratete Mädchen im Dorfe gebe und der Freier bei dem Drängen seines Vaters vielleicht bei einer anderen anzuklopfen genötigt sein werde; das Mädchen holte immer neue Einwendungen hervor bis die Mutter überdrüssig ausrief: "Nun, zwingen werde ich dich nicht!" Aber das Mädchen hatte es ganz anders erwartet und rief, entsetzt über die Rede, die im Grunde gar nicht in ihrem Sinne war, ohne sich zu bedenken: "Aber Mutter, zwingt mich doch!" Im nächsten Augenblick hatte der Bursche des Mädchens Einwilligung und sie werden dann wahrscheinlich auch Mann und Frau geworden sein.

Schule
Um 1505 erste Erwähnung eines Schulmeisters.

Wappen
Das Viehbrandzeichen von Schellenberg besteht in einem nach unten gebogenen Schwert.

Zehntrecht
Als Mitglied des Hermannstädters Kapitels bezog ursprünglich der Pfarrer den ganzen Zehnten.
Seit der zwangsweisen Verpachtung im Jahre 1580 ging eine Zehntquarte verloren. Diese bezog der Fürst und später der Fiskus. Dem Pfarrer verbleiben 3 Zehntquarten. Vor 1848 bezog der Fiskus noch den ganzen Zehnten von Lämmern, jungen Ziegen und Ferkeln.

Zuwanderer
Sechs österreichische Emigranten lassen sich hier in der Zeit von 1752 - 1756 nieder. Etwa 10 oberösterreichische Emigranten werden hier zwischen 1758 - 59 angesiedelt.


Quellen:
- Archiv des Landeskonsitoriums der evangelischen Landeskirche A.B.
- Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde
- Eitel, Emil, Pfarrer von Schellenberg: Gemeinde Schellenberg zwischen 1923 - 1943
- Grimm, Josef A.: Das Urbarialwesen in Siebenbürgen, Wien , 1863
- Hofkammerarchiv - Wien
- Kalender des siebenbürgischen Volksfreundes 1888
- Kallbrunner, Josef: Deutsche Wanderungen nach Siebenbürgen in neuerer Zeit, Deutsches Archiv für Landes- und Volksforschung, Wie, 1940
- Kemeny, Josef G.: Deutsche Fundgruben zur Geschichte Siebenbürgens, Vol II, Klausenburg, 1940
- Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde
- Miess, Oskar, Pfarrer von Schellenberg: Mündliche Mitteilungen
- Müller, Friedrich: Siebenbürgische Sagen, 2. Auflage, Wien, 1885
- Nowotny, Ernst: Die Transmigration ober- und innerösterreichischer Protestanten im 18. Jahrhundert, Jena, 1931
- Plattner, Johann: Aus der Kurutzenzeit. 1703 - 1711. Schelleneberg, vier Kilometer südlich von hermannstadt. In "Siebenbürgisch-Deutsches Tageblatt", 1927, Nr. 16180
- Quellen zur Geschichte der Stadt Kronstadt, Vol. IV., 1902
- Quellen zur Geschichte Siebenbürgens aus sächs. Archiven, Vol. I, Hermannstadt, 1880
- Schuller, Friedrich: Schriftstellerlexikon der Siebenbürger Deutschen, IV. Band, Hermannstadt, 1902
- Teutsch, Friedrich: Geschichte der evangelischen Kirche Siebenbürgens, Vol. I, Hermannstadt, 1921
- Trauschenfels, Eugen: Deutsche Fundgruben zur Geschichte Siebenbürgens, Kronstadt, 1860
- Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, Vol. I, II, II, IV.
- Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, Vol. V, Manuskript


© bei Renate Göckler-Timoschenko
E-Mail-Adresse: timoschenko@netcologne.de

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Die evangelische Gemeinde Schellenberg
in den Jahren 1923 - 1943

Leitspruch:
Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (I. Korinther II - III)


Seelenzahl:
Die Seelenzahl der evangelischen Gemeinde betrug im Jahre 1923 622 und hat im Jahre 1936 die 700 überschritten. In langsamem, aber stetigem Anstieg hat sie trotz den ungünstigen Einwirkungen des gegenwärtigen Krieges Ende 1943 die Zahl 740 erreicht. Zum Vergleich sei angeführt: Als im Jahre 1468 - also vor fast 500 Jahren - zum Zweck der Besteuerung die Haushaltungen gezählt wurden, gab es 56 sächsische Wirte, was einer Seelenzahl von etwa 280 entspricht. Nichtdeutsche waren damals in der Gemeinde überhaupt keine. Im Jahre 1940 wurden deren 552 gezählt.

Kirchliches Leben:
Der Ortspfarrer Heinrich Müller, welcher am 1. April 1923 nach zwei Jahrzehnte langer, auf allen Gebieten des Gemeindelebens reich gesegneter Tätigkeit in den Ruhestand trat, hat gelegentlich geäußert, dass der erste Weltkrieg das ehedem so rege kirchliche Leben der Gemeinde ungünstig beeinflusst habe. Diese Entwicklung hat in unserer 21-jährigen Berichtsperiode leider ihre Fortsetzung gefunden. Die Gottesdienste werden nur noch an den Hohen Feiertagen zahlreich besucht, der gewöhnliche Sonntagsgottesdienst weist eine kleine Besucherzahl auf. Nach Aufhebung der Bruder- und Schwesternschaft kam der sonntägliche Vespergottesdienst und damit die Christenlehre in Fortfall. Nachmittags- bzw. Abendgottesdienst wird nur in der Advents- und Passionszeit und anderen hohen Feiertagen abgehalten; Kindergottesdienste wurden für die Zeit nach Ostern bis Schulschluss neu eingeführt; sie erfreuen sich eines regen Besuches. Die Besucherzahl des heiligen Abendmahls, welches in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg im Rahmen der nunmehr aufgelösten Nachbarschaften so zu sagen von allen erwachsenen Gemeindemitgliedern in Anspruch genommen wurde, ist gegenwärtig für eine christliche Gemeinde beschämend gering und beträgt jährlich kaum etwa 10 Prozent der Seelenzahl. Das Leuchtersingen der Schulkinder in der Weihnachtsfrühkirche, das gelegentlich des ersten Weltkrieges abgekommen war, wurde wieder eingeführt. Die Aufführung der musikalischen Passion in der Karwoche konnte, nachdem einige Jahre hindurch deren Wiedereinführung versucht worden war, leider nicht wieder zu neuem Leben erweckt werden. Zur musikalischen Belebung der Gottesdienste trägt sehr viel der aus konfirmierten Mädchen bestehende Kirchenchor bei. Taufe, Konfirmation, kirchliche Trauung werden durchweg in Anspruch genommen, bloß ein Paar hat die kirchliche Trauung nicht begehrt.

Im Jahre 1924 wurde zum Andenken an die mim ersten Weltkrieg verstorbenen Gemeindemitglieder im Chor der Kirche eine vom Architekten Ernst Connert entworfenen Heldengedenktafel angebracht, deren Kosten von den nach Amerika ausgewanderten Gemeindemitgliedern Martin Wenrich und Michael Schüller bestritten wurden. Ebenso haben in Amerika ansässig gewordenen Gemeindemitglieder wesentlich zur Neuanschaffung der zweiten Glocke beigetragen, welche im ersten Weltkrieg enteignet worden war. Das Gewicht der neuen Glocke beträgt 210 Kilogramm und sie trägt die anspruchslose Aufschrift "Die Glocke, die hier oben stand, die gaben wir fürs Vaterland. Durch fromme Spenden es gelang, neu zu wecken den alten Klang. 1923."

Im Jahre 1924 wurde unsere Gemeinde von Bischof D. Friedrich Teutsch und im Jahre 1933 von Bischof D Viktor Glondys visitiert. Beide Bischofsbesuche fanden im althergebrachten feierlichen Rahmen statt und werden allen Teilnehmern in lebenslänglicher Erinnerung bleiben. Einer Spezialkirchenvisitation wurde die Gemeinde im Jahre 1928 durch den Bezirksdechanten unterzogen. Zur Neubelebung des religiösen Sinnes hielt der Evangelist Karl Ungar 1931, 1940 und 1942 drei gut besuchte Vortragsreihen. An Veranstaltungen, welche über den Rahmen der eigenen Gemeinde hinausreichen, sei das am Peter- und Paulstage 1937 stattgefundene Gustav-Adolf-Bezirksvereinsfest erwähnt, welches aus allen gemeinden des Bezirks gut besucht war.

Die Schule
bildete seit der Zeit der Reformation auch bei uns den "Augapfel" der Gemeinde. Seit alters her wirkten an derselben 2 Lehrkräfte. Die wachsende Zahl der Schulkinder (im Jahr 1922 105, im Jahre 1936 152) machte 1936 die Errichtung einer dritten Lehrstelle notwendig. Die hierzu erforderlichen neuen Klassenräume konnten mit geringen Kosten durch Abteilung des im Schulgebäude befindlichen Unterhaltungssaales hergestellt werden. Bis nach dem ersten Weltkrieg konnten die Erhaltungskosten der Schule und Bezahlung der Lehrkräfte ohne nennenswerte Belastung der Gemeindeglieder aus den Erträgnissen des kirchlichen Grundbesitzes bestritten werden. Die Wegnahme desselben durch die Agrarreform (1922) erforderten die Auswerfung von Jahr zu Jahr steigender Taxen (vergleiche Haushalt). Am 1. April 1942 wurde die Schule der Deutschen Volksgruppe übergeben.

Weil der staatliche Lehrplan unsere früher achtjährige Schulpflicht auf sieben Jahre heruntersetzte und weil im vorgeschriebenen Stundenplan für die deutsche Sprache sehr wenig und für die deutschsächsische Geschichte überhaupt kein Raum vorhanden war, unterrichtete der Pfarrer bis zur Übernahme der Schule durch die Deutsche Volksgruppe in Rumänien im Konfirmandenjahre täglich 3 Stunden nicht nur zur Religion, sondern auch deutsche Sprache, deutschsächsische Geschichte und Rechnen. Das Konfirmandenjahr konnte deshalb sehr wohl als achtes Schuljahr gelten.

Die Betreuung der konfirmierten Jugend erfolgte unter Aufsicht des Presbyteriums im Rahmen der Bruder - und Schwesternschaft. Pfarrer und Lehrer erteilten derselben den Fortbildungsunterricht. Am 15. Mai 1938 wurde gelegentlich eines aus allen Bezirksgemeinden überaus zahlreich besuchten Jugendtreffens eine neue Jugendfahne durch Bischof D Glondys eingeweiht. Am 1. April 1942 stellten Bruder- und Schwesternschaft ihre Tätigkeit über oberbehördliche Weisung ein.

Der evangelische Ortsfrauenverein
war im Jahre 1888 gegründet worden und hatte sich im Laufe der Zeit zu einem Hauptträger kirchlichen und völkischen Lebens entwickelt.

In den letzten Jahren versammelten zwei Mal Schwestern aus dem Schwesternhaus Bethanien in Kronstadt unsere Frauen und führten sie an mehreren Abenden in die Tiefen der heiligen Schrift ein. Mehr praktischen Zwecken diente die Veranstaltung von Säuglingspflege-, Krankenpflege-, Näh-, Koch- und Webekursen. Es wurde eine regelmäßige ärztliche Mütterberatung abgehalten und zu diesem Zweck eine Säuglingswaage angeschafft. Die Frauen des Vereines wurden von der Ortspfarrerin zu regelmäßigen Leseabenden versammelt. Die im Weltkrieg beschädigte Orgel wurde auf Kosten des Frauenvereines neu hergestellt, im Jahre 1924 neue Frauenbänke für die Kirche angeschafft und mit der mahnenden Inschrift versehen: "Marias Glaube und Marthas Fleiß, // Seien vereint zu Gottes Preis!"

Ein besonderes Herzensbedürfnis der Vereinsmitglieder bildete die Pflege des Friedhofes, der teilweise neu umplankt und rein gehalten wurde. Am Weihnachtsabend veranstaltete man unter dem Lichterbaum eine Kinderbescherung. Ebenso nahmen sich die Frauen der Armen und Kranken an, für welche Lebensmittel gesammelt und reihum gekocht wurde. Für die Kleinsten wurde im Jahre 1923 die Sommerbewahranstalt ins Leben gerufen, deren Betreuung in den Händen der Ausschussfrauen lag. Adventfeiern, Aufführungen ersten und heiteren Inhaltes dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern zugleich der Geldbeschaffung für die verschiedensten Zwecke; so wurden für den Bau des neuen Gemeindehauses 225.000 Lei beigetragen, außerdem Geschirr und Besteck für Hochzeiten und sonstige Veranstaltungen angeschafft. Im Jahre 1924 feierte der Bezirksfrauenverein in unserer Gemeinde sein Jahresfest. Die Erinnerung an dieses Fest hat sich den Teilnehmerinnen nicht nur in Folge des schönen Anblickes der im Festgewande erschienenen Frauen, sondern noch viel mehr durch die empfangenen Anregungen tief ins Herz geprägt. Im Jahre 1942 hat der Frauenverein über oberbehördliche Weisung seine Tätigkeit eingestellt und seine Auflösung ausgesprochen.

Haushalt
Der Haushalt unserer Gemeinde war in Folge der so genannten Agrarreform aus dem Gleichgewicht gekommen. Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lang war an dem Vermögenssockel der Kirchengemeinde emsig und aufopfernd gearbeitet worden. Im Laufe der Zeit war sowohl durch Fromme Stiftungen als auch durch freiwillige Gemeindearbeit Grundbesitz im Ausmaß von ca. 188 Joch erworben worden. Davon wurden 134 Joch durch die Agrarreform im Jahre 1922 enteignet.

Die mit Grund (Bodenbesitz) beteiligten Bodenanwärter sollten bis zur endgültigen Regelung einen kleinen Zwangspacht zu Gunsten der Kirchenkasse entrichten, sie haben denselben nur bis zum Jahre 1926 gezahlt, dann bleiben sie ihn schuldig und konnten trotz wiederholter Intervention bei den staatlichen Behörden nicht zur Zahlung verhalten werden, so dass die rückständige Zwangspachtsumme im Betrage von 36.630 Lei abgeschrieben werden mussten. Die Entschädigung für die enteigneten 134 Joch erfolgte erst im Jahre 1932; es wurden uns nur 130.900 Lei und auch diese in Staatspapieren ausgezahlt, welche beim Verksuf bloß 49.087 Lei in bar einbrachten, so dass die tatsächliche Entschädigung pro Joch Lei 292, sage und schreibe zweihundertzweiundneunzig Lei betrug. Bei dieser Gelegenheit kann auch nicht verschwiegen werden, dass bei Belassung des Kantorgrundes uns gegen den klaren Wortlaut des Agrargesetzes verwehrt wurde, von dem eigenen guten Grund zu wählen und dass uns im Jahre 1925 für diesen Zweck aus der Staatsreserve fremder, minderwertiger Grund zugewiesen wurde.

Der enteignete Grundbesitz hatte größtenteils zur Erhaltung der Schule gedient. Es musste der Ausfall des Einkommens aus Grundbesitz in stets steigendem Maße durch Auswerfung von Taxen ersetzt werden. Für das Jahr 1923 waren an Taxen nur Lei 76.278, für das Jahr 1941 aber Lei 262.900 vorgeschrieben worden, von 1923 bis 1942 sind an Taxen von den Gemeindemitgliedern 3.212.539 Lei gezahlt worden, eine schwere Belastung, welche aber von den meisten in dem Bewusstsein dessen willig getragen wurde, dass die Zukunft der deutschen Schule nur auf diese Weise gesichert werden könne; für die Bezahlung der geistlichen Stelle kam größtenteils der Staat durch die Kongrua auf.

Seit dem 1. April 1942 wurden in der Gemeinde keine Kirchentaxen mehr vorgeschrieben. Seit dieser Zeit haben wir durch die Landeskirche zur Bestreitung von Sachausgaben im Ganzen Lei 92.500 erhalten. Außerdem ergänzte die Landeskirche die staatliche Kongrua zum Pfarrergehalt bis zur gesetzlichen Höhe dieses Gehaltes.

Die politische Gemeinde, welche zu Beginn dieser Zeit durch Waldverkäufe den Neubau der orthodoxen Kirche finanzierte, hat uns während der Berichtsperiode 332.000 Lei als außerordentliche Subvention für Herstellungen an der Kirche ausgezahlt; die Auszahlung dieser Summe erfolgte zum allergrößten Teil in den letzten zwei Jahren, also in stark entwertetem Geld. Die regelmäßige Kirchensubvention der politischen Gemeinde betrug während dieser 21 Jahre zusammen 35.369 Lei. Für die Schule erhielten wir bis 1931 von der politischen Gemeinde überhaupt keine Geldunterstützung; von da an hatten wir Anteil an den so genannten VIERZEHN PROZENTEN; bis 1941 betrug derselbe im Ganzen 291.265 Lei. Noch geringer war in dieser Zeit die Staatsunterstützung für Lehrergehälter, im Ganzen 240.766 Lei. Die politische Gemeinde hatte gelegentlich des Saalbaus (Gemeindehaus) Holz in natura aus dem Wald und außerdem jedes Jahr Klafterholz für die Schule, zum Teil auch für den Pfarrhof und die Lehrerwohnungen, geliefert. Schließlich sei dankend erwähnt, dass die politische Gemeinde die Kosten für die Generalreparatur der Turmuhr und deren regelmäßige Wartungskosten übernommen hat.

Es besteht fast durchwegs noch die alte Sitte, Gegenstände zum gottesdienstlichen Gebrauch oder Geldbeträge besonders zum Andenken an liebe Verstorbene zu schenken. Aus der reihe der eingeflossenen Widmungen sei hervorgehoben: Das Georg-Kirschnerische Legat im Betrage von Lei 72.859 und ein Acker, welchen Frau Maria Kohs, geb. Arz testamentarisch der Kirche vermacht hat.

Bauerstellungen
Weil der im Schulgebäude befindliche Unterhaltungssaal für die wachsenden Bedürfnisse der Gemeinde zu klein geworden war und für Klassenräume benötigt wurde, musste die Errichtung eines Gemeindehauses in Angriff genommen werden. Als im Jahre 1930 der Am Schnittpunkt der drei Dorfstraßen zentral gelegene Froniushof zum Verkauf gelangte, wurde derselbe durch raschen Zugriff für 150.000 Lei für diesen Zweck angekauft, zumal die Gefahr bestand, dass er in fremde Hände gelangen könnte. Nachdem die Wirtschaftskrise und die in deren Folge eingetretene Entwertung der für diesen Zweck gesammelten Spareinlagen unser Bauvorhaben zunächst vereitelt hatte, konnte im Jahre 1936 an die Ausführung unseres Planes geschritten werden. Nach den Plänen des Baumeisters Emil Antoni wurde in den Jahren 1936 - 1939 das Gebäude bis auf den äußeren Verputz - vollständig- fertig gestellt und eingerichtet. Die Gesamtkosten, einschließlich der Kaufsumme für den Hofplatz, betrugen Lei 1.038.750 Lei, davon wurden durch Umlagen 415.000 Lei aufgebracht, Lei 225.000 hatte der Frauenverein geschenkt: der Rest wurde durch Verkauf von wertpapieren und Ziegeln, Widmungen usw. finanziert. Nachdem der Geldwert in der Zwischenzeit auf etwa den zehnten teil gefallen ist - damals kostete eine Milchkuh 7.000 Lei, heute 70.000 Lei, ein Viertel Weizen damals 80 Lei , heute 800 Lei - würde das Gebäude heute, gering gerechnet, einen Wert von über ZEHN MILLIONEN darstellen, denn es müsste noch der Geldwert, der von den Gemeindemitgliedern in natura geleisteten Arbeiten hinzugerechnet werden. Dass diese Naturalarbeiten anstandslos geleistet wurden, ist ein besonderes Verdienst der damals im Amt befindlichen Kirchenväter Michael Groß , Nr. 127, Michael Kreuder, Nr. 195, und Andreas Bordon, Nr. 178. Das Gemeindehaus stellt ein Schmuckstück unserer gemeinde dar und wird noch vielen Geschlechtern gute Dienste leisten. Das Gemeindehaus ist im Sinne des Gesamtabkommens an die Deutsche Volksgruppe in Rumänien übergegangen.

An der Kirche konnten Dank der von der politischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Beträge einige dringende Bauherstellungen gemacht werden. Im Jahre 1923 wurde der allzu schwere Bogen zwischen Chor und Schiff zum Teil abgetragen, das Kirchentor verschlüsselt und die Kirche ausgeweißt. In den letzten zwei Jahren konnten die Dächer am Turm überstiegen, der verfaulte Dachstuhl über der nördlichen Halle neu gemacht, Dachrinnen angebracht und der seit seiner Erbauung im Jahre 1806 nicht mehr geweißte Turm mit einem freundlichen Anstrich versehen werden,. Das Predigerhaus wurde gründlich adaptiert, am Pfarrhaus nur die allernotwendigsten Renovierungen vorgenommen. Der im Jahre 1923 aus dem Besitz der politischen Gemeinde an die Kirche übergegangene Arrest beim Pfarrhof wurde in ein kleines Geschäftslokal umgewandelt.

Besitzstand
Nach Durchführung der Agrar-Reform und nach erfolgter Teilung des Vermögens mit der Deutschen Volksgruppe in Rumänien, verbleiben der Kirchengemeinde noch folgende Vermögensbestandteile an liegendem Besitz:
Kirche samt Kirchhof
Friedhof und Friedhofsverlängerung
Pfarrhof samt Geschäftslokal
Predigerhof.
An produktivem Grundbesitz:
Pfarrgrund: 32 Joch
Predigergrund: 3 Joch und 1022 Quadrat-Klaftern
Kirchengrund : 10 Joch
Kohsische Legat für Kirchenzwecke: 1 Joch und 127 Quadrat-Klaftern
Kantorgrund: 8 Joch 148 Quadrat-Klaftern
Zusammen: 54 Joch und 1297 Quadrat-Klaftern.

Ausblick
Der äußere Bestand der Kirchengemeinde erscheint durch den ihr verbleibenden Vermögensrest für die Zukunft zur Not gesichert, zumal in Folge der Übernahme der Schule durch die Volksgruppe ihr eine schwere Last von den Schultern genommen wurde.

Nachdem auch andere Aufgaben mehr weltlicher Art, welche sie in früheren Zeiten notgedrungener Weise zu treuen Händen übernommen hatte, nunmehr in die Pflege der Volksgruppe übergegangen sind, gewinnen Kirche und Pfarramt mehr Zeit und Raum für ihre eigentlichen Aufgaben, für die Verkündigung des Evangeliums und für die Sorge um die ihnen anvertrauten Seelen.

Es ist unsere frohe Zuversicht, dass unsere evangelische Kirch auch unter vollständig veränderten Zeitverhältnissen im Auftrage Gottes eine wichtige Mission an unserem Volke zu erfüllen hat.

Das von ihr mit erhöhtem Eifer zu verkündigende Wort GOTTES wird nicht leer zurückkehren, sondern reiche Frucht bringen!

Das walte Gott!

Schellenberg, am 31. Dezember 1943

Emil Eitel e. h.
Pfarrer
als Vorsitzender des Presbyteriums

(© Dieser Text wurde von Renate Göckler-Timoschenko für die Internet-Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.
E-Mail-Adresse: timoschenko@netcologne.de)

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Chronik der Gemeinde Schellenberg in Siebenbürgen
1323 Erstmalig urkundlich erwähnt.
1488 Bei der ältesten erhaltenen Volkszählung, hatte Schellenberg 46 „Wirte“, zwei Arme, zwei Hirten, einen Müller und einen Schulmeister.
1507 – 1509 Bau der Kirchenburg
1577 Schellenberg wurde zum Umschlagplatz der Waren, die rumänische, griechische und türkische Kaufleute durch den Roten-Turm-Pass nach Siebenbürgen brachten, bestimmt
1599 28. Oktober
Die historische Schlacht bei Schellenberg zwischen dem walachischen Woiwoden Michael dem Tapferen und dem siebenbürgischen Fürsten Andreas Bathory (der Grabhügel der in der Schlacht gefallenen noch heute zu sehen).
Ein Denkmal erinnert heute an den Sieg des Michael des Tapferen über Andreas Bathory.
1660 Ein siebenbürgischer Landtag in Schellenberg abgehalten, da der Fürst Georg Rakoczy II. während der Belagerung Hermannstadts sein Quartier in der Gemeinde hatte
1705 – 1707 Die Kurutzen machen im Ort großen Schaden, verbrennen auch mehrmals das Dorf
1707 Unter dem Schutz kaiserlicher Soldaten beginnen die Schellenberger ihre Felder wieder abzuernten
1720 Zehn rumänische Siedler erwähnt
1752 – 1759 16 österreichische Emigranten angesiedelt
1804 - 1807 Bau des heutigen Glockenturms
1892 September
Die Eisenbahnstrecke Hermannstadt – Freck (über Schellenberg) wird dem Verkehr übergeben

Renate Göckler-Timoschenko

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Kleine Heimatkunde
HATTERSTREITIGKEITEN UND EINE BERÜHMTE SCHLACHT
- Aus der Chronik von Schellenberg -


1233 wird Schellenberg das erste mal urkundlich erwähnt. Bei der Beurkundung einer Schenkung werden die Gräfen "Henzco" und "Henning" als Zeugen aufgeführt.
Auch sonst treten im Laufe des 14. Jahrhunderts in den Urkunden Gräfen dieses Ortes in Erscheinung, das letztemal 1382. Der bedeutendste unter ihnen war Gräf Stephan von Schellenberg, der in Urkunden aus den Jahren 1349-1370 mehrmals als Mitglied der Hermannstädter Stuhlversammlung sowie als Grundbesitzer in Schlatt (nördlich von Alzen) und Kleinenyed (bei Reussmarkt) erwähnt wird.
Ein Gräf Peter wird 1375 als Besitzer von Gainari (Konradsdorf) genannt, ein Zeichen, dass diese Gräfen ihr Machtgebiet auf den Adelsboden verlegten und wohl auch später im ungarischen Adel aufgingen.
1327 ergibt sich Streit um Zehnteinkünfte zwischen den Plebanen von Heltau und Schellenberg, der zugunsten von Schellenberg entschieden wird.
1339 wir vor dem Gericht des Hermannstädter Stuhles ein Hattertstreit zwischen dem Gräfen Nikolaus von Talmesch und den Schellenbergern entschieden. Die Schellenberger erklärten dass das strittige Gebiet seit der Gründung des Dorfes ihnen gehört habe. Im Laufe der Verhandlungen gibt Gräf Nikolaus von Talmesch, ein mächtiger Herr, zu, dass er dieses Gebiet tatsächlich gewaltsam an sich gerissen habe. Es erfolgt nun eine Hattertbegehung. Ein Waldgebiet und ein Gebiet mit Gesträuch soll gemeinsam benützt werden. Auf der Seite diesseits des Zoodt aber dürfen die Talmescher hinfort keine Grundstücke benützen. Wenn die Schellenberger jenseits des Alt in ihrem Wald zu tun haben, dürfen sie unbehindert ein den Talmescher gehöriges Hattertgebiet überqueren.
Schellenberg ist durch diese Urkunde erwiesenermaßen ein freies Königsbodendorf des Hermannstädter Stuhles.
1342 ist wiederum Streit zwischen Heltau und Schellenberg, diesmal wegen einem Brombeerwald, den sich die Heltauer angeblich mit Gewalt angeeignet haben. Vor der Versammlung des Hermannstädter Stuhles kommt es zu einem Ausgleich demgemäss die Heltauer den Schellenbergern den Brombeerwald überlassen. Streit gibt es zwischen Heltau und Schellenberg abermals 1349, und zwar wegen einem am Schewis gelegenen Landstrich. Ein Urteil der 7 Stühle erfolgt zugunsten der Schellenberger. Diese hatten die Heltauer beschuldigt, in unrechtmäßiger Weise Grenzzeichen und Gräben errichtet zu haben. Das strittige Gebiet senkt sich von einem Ort "Steinweg" genannt, gegen Hermannstadt zu herab. Der Schewis wird als Grenze zwischen den beiden Hattertgebieten festgelegt.
1412 gibt es wieder Konflikt mit Talmesch. Oft haben die königlichen Kastellane der "Landeskrone" bei Talmesch sich Willkürakte erlaubt. Dieses bekamen auch die Schellenberger zu spüren und sie beklagten sich nun, dass der adlige Kastellan Konrad ihnen Gebiet weggenommen habe, und zwar solches, das bereits 1339 durch dar erwähnte Urteil ihnen zugesprochen worden war.
Im Jahre 1468 gab es in Schellenberg 56 Häuser. Damit gehörte die Gemeinde zu den mittelgroßen Orten des Hermannstädter Stuhles, zusammen mit Hammersdorf (58) und Kleinscheuern (58). Aus der Zeit um 1500 ist uns eine Aufzeichnung erhalten geblieben die berichtet das in "Schellenbruch" 46 Hauswirte, 2 Arme, 2 Hirten, 1 Müller und ein Schulmeister leben. Auffällig ist hier dass so frühzeitig schon, infolge der Erwähnung eines Schulmeisters, sich eindeutig das Vorhandendasein einer Schule nachweisen lässt. Der älteste namentlich bekannte Lehrer an dieser Schule ist Simon Scolasticus (1526).
Im Jahre 1473 wurde Blasius Symons de Schellenbruch an der Krakauer Universität immatrikuliert und erwarb dort 1477 den Grad eines Bakkalaureus. Ebenfalls in Krakau studierte 1506 Bernhardus Georgi de Szelemberg, während Georgius des Schellenberck 1490 in Leipzig als Student eingeschrieben wurde.
Im 16 Jahrhundert ist ein Pleban mit Namen Thomas Wal erwähnt, der sich in besonderer weise hervorgetan hat. Er hatte nach seinem 1511 begonnenen Studium die Magisterwürde an der Hochschule in Wien erlangt (1514), war Rektor der in Entwicklung begriffenen Schule in Hermannstadt gewesen (1517-1519), hielt später sogar in Wien Vorlesungen über Horaz und Ovid (1520) und wirkte dort als Vertreter der Studenten seiner Heimat an der Hochschule (1521). 1524 kehrte Thomas Wal nach Siebenbürgen zurück und ist in den Jahren 1525-1528 als Pleban von Schellenberg nachweisbar. Er ist vor allem durch humanistische Studien hervorgetreten. Oft haben Menschen seines Formates in Siebenbürgen Plebanstellen in der Nähe kultureller Mittelpunkte erhalten.
Zu leiden hatte Schellenberg besonders dann, wenn feindliche Einfälle den Frieden Siebenbürgen trübten. Bei den Türkeneinfällen von 1438, 1442, 1457, 1479 und 1493 war die Gemeinde Schellenberg wahrscheinlich direkt oder indirekt in Mitleidenschaft gezogen, auch wenn wir darüber keine schriftlichen Aufzeichnungen besitzen.
Aus den Jahren 1507-1509 haben wir Kenntnis über Unterstützungsgelder für Bauarbeiten an der Schellenberger Kirchenburg, die den Bewohnern Zuflucht und Schutz gewähren sollte.
Als der verderbenbringende Thronstreit zwischen den Fürsten Johann Zapolya und dem Habsburger Ferdinand in Siebenbürgen ausgetragen wurde, kamen auch in die Hermannstädter Gegend Truppen, die Zapolya unterstützten. Da wird und aus 1529 berichtet dass sie die Orte "Nependorf, Schellenberg, Aw, Moha und Vesta" niedergebrannt haben. Zu Ende dieser unheilreichen Zeit wird 1539 festgestellt, dass die Gemeinde durch das Kriegsgeschehen so viel gelitten hatte, dass ihr für 4 Jahre alle Steuern erlassen werden müssen.
Im Jahre 1539 wurden in Schellenberg nur noch 38 Wirte gezählt. Es dauerte Jahrzehnte, bis im Jahre 1572 die Bevölkerung auf 80 Familien angewachsen war.
Im Jahre 1525 wurden die Hattertgrenzen zwischen Schellenberg und Talmesch revidiert.
Aus dem Jahre 1552 haben wir Nachrichten über einen Hattertstreit zwischen Schellenberg und Baumgarten (vgl. NW Nr. 9463/23.Okt. 1979)
Eine Folge der längeren friedlichen Entwicklung war auch dass im Jahre 1577 durch ein Privilegium des siebenbürgischen Wojwoden Christoph Bathori den ausländischen Kaufleuten gestattet wurde ihr Waren bis nach Schellenberg zu bringen und sie hier zu lagern und verkaufen.
Das bedeutendste Ereignis aus der Geschichte der Gemeinde ist - wie allgemein bekannt - die Schlacht bei Schellenberg am 28. Oktober 1599, in der Michael der Tapfere, der Fürst der Walachei, das Heer des siebenbürgischen Fürsten Andreas Bathori besiegte. So bedeutete die Schlacht bei Schellenberg eine entscheidende Etappe bei der ersten Vereinigung der Walachei, Siebenbürgens und der Moldau durch Michael den Tapferen. Heute ehrt ein Denkmal auf dem ehemaligen Schlachtfeld dieses wichtige historische Ereignis.
Dr. Helmut Klima

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1599, 28 Oktober
Die Schlacht von Selimbar (Schellenberg) - Sibiu.
Michael der Tapfere, Fürst der Walachei, besiegt das Heer des Andrei Bathory, Prinz von Siebenbürgen und tut damit den ersten Schritt zur Vereinigung der drei rumänischen Länder: Walachei, Siebenbürgen und Moldau.

Mihai Viteazul vesteste comisarilor imperiali ai imparatului Rudolf al II-lea despre victoria de la Selimbar (4 noiembrie 1599, Balgrad - Alba Iulia)
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"Si-a razbunat, in sfarsit, odata Maria Ta jignirile de atatea ori aduse, nu stiu de ardeleni sau de craii lor, Mariei Tale si intregii Case de Austria, prin mine, la 28 ale lunii trecute, cu fierul, caci cardinarul Bathory mi-a iesit inainte in padurile Sibiului in camp cu toate randurile tarii, mai ales cu oaste de stransura si taraneasca, neavand oaste cu plata. Si, pentru ca, dupa ce prea-luminatul domn nuntiu al papei a staruit indeajuns, si de prisos, pentru pace intre cele doua tabere acum gata de lupta, el n-a vrut cu nici un chip sa plece din tara, desi era print intrat fara drept, si sa se dea in laturi inaintea dreptului Mariei Tale, ci se lauda ca va cerca norocul cu armele. Ci eu, cu credinta in Dumnezeu, cel mai mare razbunator al calcarii de juramant, si razimat pe dreptatea Mariei Tale, m-am luat la lupta cu el.
Si acela, despoiat de toata tabara lui, a fost pus pe fuga de mine, cu toata oastea lui, nu fara mare durere a sufletului meu pentru risipa sangelui varsat de cateva mii de crestini, cazuti de amandoua partile. Astfel la 1-iu noiemvrie, in ziua Tuturor Sfintilor, am luat in stapanire ca biruitor Balgradul, Scaunul Crailor Ardealului.
Acestea am voit sa le dau de stire Mariei Tale prin chiar stafeta mea; celelalte le voi face cunoscut Mariei Tale mai pe larg cu supunere in curand, prin niste fruntasi ai Ardealului si Tarii Romanesti. Dumnezeu sa te tie multi ani pe Maria Ta biruitor in fericire.

In Balgrad, 4 noiemvrie, anul Domnului 1599.
Al Mariei Tale serb,
Mihail Voevod"

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